Eisenmann: „Alle Schularten haben den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung verdient“ / Herbstempfang des Landtagsabgeordneten Dr. Albrecht Schütte mit der baden-württembergischen Kultusministerin

19. November 2017

Zuzenhausen. Dr. Susanne Eisenmann, seit Mai 2016 Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, sprühte förmlich vor Energie während ihrer 45-minütigen Rede auf dem Herbstempfang des Landtagsabgeordneten Dr. Albrecht Schütte (CDU / Wahlkreis Sinsheim), der in dieser Woche in der Häuselgrundhalle Zuzenhausen stattfand.

Am Stau auf der Autobahn, der dafür sorgte, dass sie 20 Minuten zu spät kam, konnte auch sie nichts ändern, hinter dem Rednerpult jedoch wie auch in der Bildungspolitik ist Stillstand eher ein Fremdwort für sie. Tatsächlich stand die Kultusministerin keine Minute still, nahm während ihren engagierten Ausführunyxxgen ordentlich Fahrt auf und ihr Publikum mit, arbeitete sich durch alle Schularten und vielfältige bildungspolitische Themen.

„Ich bin hier, um Ihre Erfahrungen und Einschätzungen mitzunehmen“, sagte die 52-jährige Politikerin zu den rund 140 Teilnehmern der Veranstaltung, unter ihnen zahlreiche Rektoren und Schulleiter, Lehrer, Eltern und  Elternbeiratsvorsitzende, Bürgermeister und Gemeinderäte.

Das baden-württembergische Schulsystem habe ein Qualitätsproblem, so die Ministerin, dies sei auch das Ergebnis mehrerer Schulstudien. Früher sei Baden-Württemberg bei der Bildung bundesweit mit an der Spitze gewesen, mittlerweile habe man nur noch einen Platz im Mittelfeld inne.

Von Schuldzuweisungen sah Eisenmann ab, stellte indes fest: „Bildungspolitik geht nicht im Hauruckverfahren, man braucht Ruhe und Verlässlichkeit.“ Die Grundschule sei besonders wichtig: „Auf den Anfang kommt es an.“
Ein besonderes Augenmerk habe sie auf die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen: „Diese Grundlagen tragen für das ganze Leben.“

„Ich habe die Aufregung nicht verstanden, als ich entschieden habe, dass das gemacht wird, was auch in anderen Bundesländern gemacht wird: Rechtschreibung wird wieder ab Klasse 1 korrigiert“, so die Kultusministerin unter dem starken Beifall ihrer Zuhörer. Lernmethoden wie Schreiben nach Gehör erteilte sie eine klare Absage.

Ausdrücklich lobte Eisenmann die Durchlässigkeit zwischen den Schularten: „Das funktioniert in Baden-Württemberg sehr gut, das ist ein großes Pfund.“

Mit Blick auf die Schüler und das jeweilige unterschiedliche Leistungsvermögen machte die CDU-Politikern deutlich: „Wir dürfen unser Augenmerk nicht nur auf diejenigen richten, die einen besonderen Förderbedarf haben, sondern auch auf die Kinder, die besonders motiviert und begabt sind. Unterforderung und Überforderung wirken sich gleichermaßen aus: Die Schüler sind dann frustriert.“

Weitere Themen waren unter anderem die Grundschulempfehlung, die Unterrichtsversorgung, die Inklusion, die Digitalisierung und Medienerziehung, die Reform der gymnasialen Oberstufe, die Situation der Haupt- und Werkrealschulen, der Realschulen und der 303 Gemeinschaftsschulen im Land. Eisenmann: „Alle Schularten haben den gleichen Respekt und die gleiche Wertschätzung verdient.“

In ihrer derzeitigen Funktion als Präsidentin der Kultusministerkonferenz hat Eisenmann das Thema „Berufliche Bildung“ in den Mittelpunkt gestellt: „Die Anknüpfung an die berufliche Welt muss intensiviert werden. Unsere Jugendlichen haben es verdient, analog zu ihren Ausbildungen Perspektiven angeboten zu bekommen.“

Die Kultusministerin, die ebenso wie Dr. Albrecht Schütte MdL den Lehrern für ihre wichtige Arbeit dankte, abschließend: „Es kann nicht alles in der Schule geleistet werden. Schule ist heute schon der Reparaturbetrieb der Gesellschaft. Die Eltern können wir nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Erziehungsberechtigt heißt auch erziehungsverpflichtet.“

Zu Beginn des Empfangs hatte Zuzenhausens Bürgermeister Dieter Steinbrenner in einem Grußwort die Elsenzgemeinde vorgestellt.

Landtagsabgeordneter Schütte dankte Eisenmann für ihre politische Arbeit: „Sie stellen jeden Tag unter Beweis, dass Ihnen die Bildung am Herzen liegt. Jetzt wird wieder auf mehr Qualität geachtet. Es geht ganz konkret um die Zukunftschancen unserer jungen Menschen.“

Musikalisch ansprechend umrahmt wurde die Veranstaltung vom Kinderchor der HäuselGrundschule und von der Musikgruppe „Heidelberg JazzMen“.

Über eine Stunde nahm sich im Anschluss die Kultusministerin Zeit, ging von Stehtisch zu Stehtisch und stand als Gesprächspartnerin zur Verfügung. (Text/Fotos: Matthias Busse)